Doch doch, Ihr könnt mich ruhig anklicken !
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Der 9.November 2009

Vor 20 Jahren weinte ich. Zwei Tage lang standen mir Tränen in den Augen. Es war einfach undenkbar, diese Neuigkeit: „Die Mauer ist gefallen“. Diese unüberwindbare Mauer die dem Feind ein Gesicht verleihte. Den Mächtigen von damals war sie doch ganz recht. Das Gesicht des Ostens glich Menschen hinter Stacheldraht, Spionen und Spionierten, die lebten wo alles grau war, die in lächerlichen Autos fuhren, davon träumend das Gesicht der anderen Seite kennenzulernen... schönere Autos, farbige Zeitschriften, Fernsehen in dem man alles zeigte, wie es schien, das Gesicht der Freiheit.
Raus, in die Augen dieser Freiheit schauen, vielleicht nur mal vorsichtig kucken was das eigentlich ist. Und dann zurückgehen. Aber wieder hingehen können wenn man Lust dazu hat. Das war es eigentlich was die Menschen solange drängte bis die Schlagbäume aufgingen. Deren Wächter waren ratlos. Sie hätten in die Menge schiessen können. Es hätte schlimm ausgehen können. Aber sie standen vor einfachen, ahnungslosen Menschen. Ahnungslos auf Grund dieser Schlagbäume.
Und die Wächter warteten bis ihnen irgendjemand sagte „handelt !“. Hin oder her. Schiessen oder öffnen. Sie wussten es nicht. Es war ja ihre Arbeit, zu bewachen, und zu ignorieren was sie bewachen und warum.

Dann, durch einen Moment von Unachtsamkeit einiger Mächtiger, mächtig Dank der Absperrungen die sie erfunden hatten, ging alles seinen natürlichen Gang. Die Leute sind sich das Gesicht der Freiheit endlich anschauen gegangen. Einige sind nicht wiedergekommen, andere sind in ihr gut behütetes, gleichmässiges und ruhiges Leben zurückgekehrt. Jedoch würde nichts bleiben wie es einmal war, denn das ist der natürliche Lauf der Dinge.
Jetzt musste man ja mit Westautos fahren, wenn immer es passte und wohin man auch wollte. Es war klar dass man jetzt konsumieren musste, sich das Glück aneignen.
Übrigens war es das, jenes zweite Gesicht: der goldene Westen.
Alles würde gut werden. Einen Moment der Anpassung und es wäre der Himmel auf Erden, in Farbe, mit nackten Frauen und Sonne überall. Die Taschen voller Dollar.
Selbstverständlich würde die ganze Welt glücklich sein.

Heute, an diesem historischen Ort vor dem Brandenburger Tor, fliessen wieder einige Tränen. Tränen der Ergriffenheit. Es sind auch viele junge Menschen da, die vielleicht am Tag des Mauerfalls geboren sind, oder danach. Es sind auch die Mächtigen da, die Mächtigen von heute, gekommen um von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Wohlstand zu sprechen. Von einer besseren Zukunft für die Menschheit. Es regnet, es ist kalt. Ich befinde mich inmitten einer Menschenmenge, gekommen um die Gesichter der Mächtigen zu sehen. Eine Absperrung trennt uns von ihnen. Regenschirme verdecken die Sicht, selbst auf den grossen höhergelegten Bildschirm der die Bilder von der anderen Seite der Absperrung übertragen soll. Aber ich höre die Reden. Bewegt höre ich den Sirenengesang des Westens...

Tolle Zeiten...

Wie manch anderer kenne ich den Stolz und die Gefahren der Theorie; es gibt aber auch den Fall absolut ohne sie auszukommen, die übertrieben hochmütige Selbstgefälligkeit nicht wissen zu müssen was man sagt wenn man spricht, und was man tut wenn man handelt.

 

Pierre Paul Royer-Collard

 

Habt Ihr Euch schon mal Fragen über den Sinn des Lebens gestellt ? Ja ? Überkam Euch da so ein Gefühl wie das in einer Kirche zu sitzen, einen Gott um Rat zu fragen und eine konkrete Antwort zu erwarten ?
Es gibt Leute die wissen dass Gott existiert, es gibt auch jene die wissen dass er nicht existiert. Aber das ist ja eh schon völlig aus der Mode denn wir haben heute viele andere, weitaus dringendere Beschäftigungen. Selbst wenn wir für viele Sachen keine passende Antwort finden, so wissen wir doch eins, man muss wettbewerbsfähig sein um leben zu können...

Aus diesem Grunde, und um produktiv zu sein, sind wir alle in irgendetwas spezialisiert. Jeder hat individuelle Kenntnisse in einem besonderen Gebiet mit unwiderlegbaren Beweisen dass das was angepreist wird unabdingbar ist und auch tatsächlich den angezeigten Wert besitzt. Habt Ihr Euch schon einmal dabei ertappt ein bischen zu verschönen? Vielleicht auch in die andere Richtung zu übertreiben? Kommt doch, gebt es zu ! Von irgendetwas muss man ja wohl leben, oder ? Eine gute Kommunikation ist das Einmaleins der heutigen Zeit ! Die gute Kommunikation hält das System über Wasser, sie sichert die Fähigkeit, ach was sage ich, die N o t w e n d i g k e i t das Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten.

Oft bin ich überzeugt nicht nach dem gleichen Muster zu leben wie alle Anderen , ein bischen anders zu denken als nach Normen der korrupten Masse. Dann erwische ich mich plötzlich mir eine grosse Anpassungsfreiheit mit dem „kollektiven Geist“ zu genehmigen.
Stumpfsinnig, nach einem langen Tag spezialisierter Arbeit, bleiben mir manchmal nicht genügend Ampere um meine irdischen Machenschaften und deren Konzequenzen zu analysieren. Ich gebe mich der geistigen Bequemlichkeit hin, wie jeder gewöhnlich sterbliche der diesem Namen würdig ist. Ich lasse mich von der glitzernden und schimmernden Kommunikationskultur und der dazugehörigen Konsumgeilheit verführen.
Alles ist Konsum und alle sind wir Verbraucher. Dabei denke ich weniger an Staubfänger die wir ein Leben lang anhäufen, als an unsere Verpflegung, tägliches Hin- und Herfahren sowie an Bildung. Wer Bildung sagt, sagt auch Information. Ach ja, die Information! Kommunikation ! Furchtbare Massenunterwerfungswaffe...

Wir haben das Glück frei zu sein ! Wir sind frei uns augenblicklich über alles zu informieren was wir wollen. Wir sind frei alles zu sagen was wir wollen, selbst wenn es nichts zu sagen gibt. Wir sind frei zuzuhören wem auch immer wir wollen und das zu glauben was immer wir möchten. Das ist doch unglaublich! Nun ja, finde Dich erst einmal zurecht in diesem Dschungel! Zum Glück gibt es ja jene die Mittel haben und uns besser als Andere informieren, jene die man in all dem Wirrwarr besser hören und sehen kann. Deshalb haben wir ja alle ein Auto, einen Fernseher, ein Handy, einen Computer, einen Internetanschluss; wir haben alle schon mal den Eiffelturm, den Kilimandjaro, das Empire State Building oder China's grosse Mauer mit eigenen Augen gesehen, auch wissen wir dass im modernen Leben alles Wegwerfgut ist ...

Gibt es da nicht seit einigen Jahren wie einen leichten Hoffnungsschimmer am Horizont? Ein Zeichen dafür dass jeder x-beliebige Durchschnittsbürger irgendwie spürt, wissen zu können und bewusst zu handeln ? Wissen, zum Beispiel, dass unser Heimatplanet könnte ja letztendlich vielleicht doch irgendwie zu klein werden um unserem Lebensstil, ziemlich üppig für bald 7 Milliarden hungrige Seelen, standzuhalten.
Die Investitionen in Bildung und Aufklärung hätten sich doch nicht etwa gelohnt ? Nehmen wir ein beliebiges Beispiel: die Ökologie, völlig Mode! Wir machen doch alle Abfalltrennung, oder ? Ausserdem sind wir bereit Geld für einen Mehrweg-Plastikbeutel auszugeben wovon wir früher unendlich viele gratis bekommen konnten. Wir benutzen immer mehr Maschinen mit immer weniger Energieverbrauch, immer mehr Autos und Flugzeuge die immer weniger die Umwelt vershmutzen. Kürzlich, Ihr werdet's nicht glauben, hat einer der grossen Erdölkonzerne sein Firmenzeichen geändert, ihm die Gestalt eines umweltfreundlichen und natürliche Reinheit ausstrahlenden Zeichens gegeben. Doch doch! Einfach unfassbar. Sogar Treibstoff ist jetzt umweltfreundlich.

Welch eine fantastische Wende ! Welch eine altruistische Gesinnung ! Das Geheimnis liegt in der Information. Es ist verrückt wie wir einfach alles wissen wollen. Ganz hingerissen von den in bunten Grossbuchstaben angepreisten wohltuenden Wirkungen, machen wir uns sofort und ganz enthusiastisch daran auch das Unsichtbare herauszufinden!
Wenn ich in den Supermarkt gehe kaufe ich Bio , das versteht sich von selbst. Die Bio -Regale sind grün, das sieht man von Weitem. Zu Hause angekommen wird mein Auge flüchtig von den Etiketten angezogen die ich mit den Plastikverpackungen in den Abfall werfe. Und was sehe ich ? Herkunft Peru, Argentinien u.s.w. Gemüse aus so weiter Ferne, das gibt auch mir Lust zum Reisen. Peru ist vielleicht ein bischen weit für ein Wochenende, aber ein kleiner Sprung nach Berlin wirds tun, in einem süssen kleinen Flugzeug mit 200 Plätzchen und einer Flugzeit von gerade mal 2 Stündchen. Ganz automatisch stelle ich mir die Frage wieviel Platz wohl eine Tonne CO 2 in der Atmosphäre einnimmt. Ca 50 000 m3, je nach Luftdruck. Na ratet mal wieviel CO 2 ich da nur für den Hinflug hinter mir lasse? Ungefähr 6000 mal das Volumen meiner hübschen Wohnung! Ok, diese Luft kann ich zwar danach nicht mehr atmen, aber halt mal, dafür werden wir bald unheimlich Sparen. Na kar, CO 2 begünstigt die Klimaerwärmung, das weiss doch jeder! Unsere Heizkosten werden also drastisch sinken. 80% der atmosphärischen Masse befinden sich unterhalb von 7 km Höhe, es wird also gar nicht so lange dauern wenn erst mal alle richtig mitheizen!!
Unser irdisches Appartement mit seiner Oberflläche von 509 000 000 km², davon 148 000 000 km² mehr oder weniger bewohnbar, ist doch gross genug dafür dass alle unserer 7 000 000 000 Mieter so wie wir leben können, wie die kleine Milliarde uns genügsemer Westler...

In der Serie „kleine Gesten für die grosse Natur“ hören meine Anstrengungen natürlich nicht beim Bio auf. Ich verwende weder Stift noch papiereingebundene Werke um meine spezialisierte Arbeit zu bewerkstelligen. Papier?! Um Himmels Willen, die armen Wälder!! Ein einfacher Klick, weder Rauch noch Feuer. Selbstverständlich habe ich mich, wie Ihr, über die Energie informiert die ich bei einer einzigen Google-Suche verbrauche: die gleiche Menge wie zum Kochen von einer Tasse Tee (ganz nebenbei bemerkt, es gibt kaum mehr als 2 Milliarden Leutchen die noch ohne Elektrizität leben und die nur darauf warten ihrerseits hemmungslos klicken zu können, unter anderem). Indem ich diese Tasse Tee nicht trinke, helfe ich Informatik-Gärtnern die riesige Parks von Tag und Nacht laufenden Servers instandhalten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und nicht nur denen, ich unterstütze auch die Produzenten von, nicht Stiften, sondern Geräten die diese ersetzt haben, und die, um ihre Maschinen rund um die Uhr auszunutzen, uns nebenbei mit allen möglichen lustigen Apparaturen überschwemmen welche grösstenteils dazu dienen die Zeit totzuschlagen.

Oh ja, wir sind heute so zivilisiert geworden dass wir nur noch Zeit totschlagen. Sicher kommt es daher dass wir immer weniger davon haben. Um ein bischen zurückzugewinnen stopfen wir uns halt schnell mal ein Paar « Chicken Wings » rein, einen « McChicken », ein Paar McDieses und McJenes... Beim Herunterschlucken dieser Köstlichkeiten ist es ganz selbstverständlich dass ich unaufgefordert an die rund 40 Milliarden Hühner denke die die Menschheit jedes Jahr verschlingt. Richtig, das macht genau 1270 Hühner pro Sekunde denen man die Kehle durchschneidet. Ich aber kaufe Bio ! Denn, wisset, ein Bio-Hühnchen hat nicht weniger als 81 Tage zu leben (natürlicherweise müsste es ca 1800 aushalten). Der raffinierte Label gibt ihm auch das Recht fast die Hälfte seines langen Lebens „im Freien“ herumzuscharren, und das mit nur 10 seiner Artgenossen pro Quadratmeter. Da ist ja alles in Butter!
Aber es gibt auch Rind-, Schweine, Kalbsfleisch u.s.w. Hier ein kleines Steakchen, da ein kleines Würstchen, welch ein Genuss! Fleischessen erspart uns im Krankheitsfall sogar den Gang zur Aphoteke, Dank seinem „natürlichen“ Gehalt an Antibiotika. Hinzu kommt dass ich wohltätig mit meinen Zeitgenossen bin von denen viele keine Arbeit hätten würden wir kein Fleisch essen. Wie das? Na um ein einziges Kilo Fleisch zu produzieren benötigt man mehr als 10 Kubikmeter Wasser, mehr oder weniger 10 Kilo Getreide und aller Art von Transporten (mindestens 100 km mit Lastwagen, Auto...) da kommen schon ein Paar Jobs zusammen... für ein Kilo Fleisch!

Der glücklichste unter allen ist aber der französische Aprilfisch 2009. Das ist kein Scherz, denn während seit dem 1. April unsere Sardinenangler sämtliche Häfen im Norden Frankreichs blockieren, haben dort die Fischlein eine kleine Verschnaufpause. Eine wahrhaft ökologische Geste !
Nebenbei bemerkt, sie blockieren gegen die enschränkenden Quoten die vom Aussterben bedrohte Arten schützen sollen. ... Fischer aller Länder bereichert Euch!!!

Es gibt jedoch auch andere Sachen als immer nur die Ökologie. Ein beliebiges Beispiel: die Erziehung unserer Kinder. Können wir denn widerstehen unserem Sprössling das neueste Spielzeug zu kaufen? Nicht nur weil es alle anderen in der Klasse schon haben und es gemein wäre ihm das zu verweigern, sondern auch Dank der informativen Aufklärung auf allen Bildschirmen, die ja eindeutig darauf hinweisen dass die Spielware in unserem Kind neue Sinne, neue Interessen und neue Leidenschaften erweckt... Obgleich die unzähligen blinkenden, hupenden, sprechenden und nervenden Dinger schnell in einer staubigen Ecke, und letztendlich im Trennmüll landen, bringen wir es nicht übers Herz unser Kindchen den Anderen konkurrenzunfähig gegenüberstehen zu lassen. Es muss ja mit seiner Zeit leben, nicht wie wir, völlig out . Und wenn Kindlein mal überdreht und launisch ist oder nicht mehr weiss womit es spielen soll, wenn keine Strafe mehr wirkt, kein Beruhigungsmittel mehr hilft und selbst das Fernsehen es nicht mehr still bekommt... dann hopp, ins Auto, einen kleinen Ausflug auf den Rummelplatz, ins Schlaraffenland oder dort hin wo man Lutscher, Eiskrem und lauter Sachen kaufen kann die kindliche Habgier stimulieren ...
Man wird doch mit dem armen Kerlchen deshalb nicht in Wäldern, auf Feldern oder in Bergen herumspatzieren wo es ja überhaupt nichts gibt. Einen Kuckuck vielleicht, den man aus der Ferne nur hört, ein Paar Schmetterlinge die sich eh nicht leicht fangen lassen. Wenn der kleine sich dann langweilt, ah, dann geht ja alles wieder von Neuem los !!

Und wir ? Sind wir nicht zufällig auch aus einer „verwöhnten“ Kindheit herausgewachsen ? Hat man uns etwa die Zerbrechlichkeit des wirklichen Lebens versteckt? Das Überleben steht uns doch ganz einfach zu, ohne grossartige Gegenleistung, nicht wahr ? Wissen wir eigentlich dass wir, im Moment noch, die „Reichen aus dem Westen“ sind? Geheimnisvoll, allmächtig und selbstverständlich glücklich in den Augen jener die nicht viel besitzen. Wissen wir, dass wenn wir 20 € verdienen 22 € ausgeben, während die die 1 € verdienen nur 50 cents ausgeben. Den Rest sparen sie für eine ungewisse Zukunft.

Ratet mal wer von Beiden wohl mit mehr Hoffnung lebt? Hoffnung, eines Tages vielleicht zu wissen was der Sinn des Lebens ist...

 

 

26. Oktober 2008
unerklärliche Zeit...

Alle reden sie jetzt von der Krise. Ein schönes Katzengejammer ! Und je mehr man von ihr spricht desto schlimmer wird sie. Tja, es ist halt besser von Angst zu reden als vom Wetter. Das lässt den Rest vergessen, den Adrenalinspiegel steigen und losrennen um sich das geeignete Schlafmittel zu besorgen. Und wie geplant stürzen alle los um ihr Schäfchen in's Trockene zu bringen. Nicht nur eins, sondern zwei, drei, vier...ach was sag ich, Milliarden von Schafen.
Man bräuchte doch einfach nur den Mund halten, arbeiten, verbrauchen, produzieren, das wollen was jeder will, das denken was jeder denkt, sich wünschen was es nicht gibt, es erfinden, es kaufen und wieder etwas neues begehren. Aber nein, man muss ja meckern und schimpfen. Man muss ja doch neidisch sein auf den dem es besser zu gehen scheint als einfach nur gut, auf den Nachbarn der ein grösseres Auto hat, auf die denen es nicht zu warm ist oder nicht zu kalt, auf jene für die alles leichter ist, die nichts machen und nur "von unseren Steuern" leben. Man rennt also los und läuft und hetzt und rennt und rennt und hört nicht mehr auf zu rennen... Und die Sonne ? der Regen ? der Wind ? das Leben ?
"Ich habe keine Zeit ! Das ganze Jahr habe ich gerackert, jetzt bereite ich mich auf das verlängerte Wochenende vor. Wir fahren nach Schnick am Schnock, dafür brauche ich noch Schnock und Schnick, weisst Du, das neue Wundermittel von Schnickschnock um die Verkehrsstaus angenehmer zu erleben... Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit ! Ach doch, das hätte ich beinahe vergessen. Da ist ja noch eine Lücke. Wie wär's denn mit einem bischen humanitärer Hilfe. Gute Idee, oder ? Kann mir das jemand finden? Aber nicht zu weit weg sonst wird's schwierig... oder doch, aber in einem schönen Land, so für ca 3 Wochen... "
Alles geht ja so schlecht, hat denn da niemand etwas kommen sehn ?!? Man hatte doch versprochen dass alles besser werden würde und dass wir fähig sind alles zu ändern, vorausgesetzt man klotzt mehr ran. Nur nicht aufhöhren, Umsatz machen, Ihr werdet sehen wie gut es Euch dann geht. Ah, die Gangster !
Und wenn der erste dahergelaufene Typ keine Butter mehr auf dem Brot hat, weil er sich verschuldet um mir mein nutzloses oder eine Nummer zu grosses Dingsda abzukaufen, das ist nicht meine Schuld, nein ! So ist das Leben und ich mache ja nur meinen Job. Wenn der Typ jedoch auf grossem Fuss lebt weil ich mich verschulde um Ihn sein Zeug abzukaufen welches mich am Ende auch nicht glücklicher macht... Aber dann ! Dieser Dreckskerl !
Nein wirklich, nur nicht locker lassen, nicht jetzt, nur nicht zu sehr darüber nachdenken... man könnte ja auf den dummen Gedanken kommen nach der Zeit zu suchen die man nicht hat...

 


18. Oktober 2008
Spät kommt er, doch er kommt (hoffentlich!)...

Na endlich! Mit der Krise ist ein Lichtchen am Ende des Tunnels zu sehen... Licht aus erneuerbarer Energie, versteht sich. Und wem ist das zu Danken? Nee nee nee ! Nicht dem unermüdlichen petit Nicolas aus Baguettenland... Ja aber wem dann ?!?

Sollte ich nicht geträumt haben was vor ein Paar Tagen aus einer langweiligen Fernseh-Wahlkampf-Debatte hervorging, so wird der Schlüssel unseres Schicksals mal wieder am anderen Ufer des grossen Teichs zu finden sein. Wie, was ?! Die Geschichte ist natürlich einem Hollywood-Thriller würdig, hört mal genau zu !
Ein böser Mann hat die Gutgläubigkeit des lieben Volkes welches er regiert, haltet Euch fest, während 8, ja 8 langer Jahre ausgenutzt und die ganze Welt in ein fürchterliches Chaos versetzt. Als die unschuldigen Opfer plötzlich dem Risiko einer finanziellen Abmagerungskur gegenüberstehen, merken sie dass ihr Schiff ein Leck hat und einen enormen Ölteppich hinter sich lässt... Genau im richtigen Augenblick erscheint jedoch der Held der alles retten kann. Nur hört die Spannung hier noch nicht auf denn seine schicksalshaften Worte scheinen für das Laienauge unsichtbar: In 10 Jahren werden wir nicht mehr von ausländischem Erdöl abhängig sein !. Was hab ich gesagt? Keiner weiss worum es geht ! Während man ein Happy End erwartet, bumm, fällt der Börsenkrach auf alle hinab! Ein raffinierter Kniff des Drehbuchautors um das Publikum in seinen Bann zu ziehen.
Aus der Hollywood-Welt zurück in die Realität würde ich das wie folgt übersetzen "ein Fieberanfall während man den Doktor erwartet". Das Heilmittel liegt in den Worten eines der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. In 10 Jahren werden wir nicht mehr von ausländischem Erdöl abhängig sein ! Anders ausgedrückt: wir müssen wieder unseren eigenen Garten bearbeiten um die Terroristen aus dem Feld zu schlagen und noch lange saubere Luft atmen zu können. Lasst uns anschliessend einfach das Wort ausländisch aus diesem Satz schmeissen und die Menschheit kommt wieder zur Vernunft. Sie wird losrammmeln um das Rad neuzuerfinden. Na ausgezeichnet, da werden wir endlich wieder richtig arbeiten können, nicht virtuell wie unsere Brüder die Börsentrader. Diese werden deshalb nicht aus der Welt sein, und die gefrässigsten Arten werden sich nicht zum Vegetarismus bekehren... das Rad jedoch neu zu erfinden um in Vehikeln voranzukommen die mit Sonnen-, Windenergie oder ganz einfach mit Luft funktionieren, das wird viel Rauch machen, wenn ich mal so sagen darf...
Ein bischen Bollywood, eine Prise Samba, ein Hauch von chinesischem Schattenspiel und, hoffen wir so, ein gutes Mass an Afrika. Das ist doch eine gut vorstellbare Globalisierung, oder? Wenn der Westen sich nicht mit seinen eigenen Waffen niedermätzeln will tät er gut daran seinen Sprösslingen mal wieder in den Allerwertesten zu treten. Das Gehirn sollte ein kreatives Werkzeug sein und kein Muskel der die Augen in Richtung Fernseher bewegt. Mehr Freude finden am Lernen als im Konsum... hm, äh, hier will ich vielleicht ein bischen zu hoch hinaus, na ja...
Wenn es den Amerikanern gelingt in diese Richtung zu eifern, sei es aus Gewinnsucht oder aus Idealismus, dann werden sie uns mal wieder ganz schön überraschen und alle in ihrem Kielwasser hinter sich herziehen...

Dies ist das Lichtchen was ich am Ende des Tunnels zu sehen glaubte. Nicht in die Falle der Leichtig- und Bequemlichkeit zu treten heisst dass ich zukünftig bestimmt etwas kräftiger in die Pedalen treten muss, so lange es aber nicht im Lehrlauf ist nehme ich das gerne in Kauf. Nach und nach meine umweltverpestenden Bräuche in saubere Energie umzuwandeln, das ist wünschenswert. Zehn Jahre um mich von Vergnügen genre "Easy Rider & Co" zu entwöhnen, das ist machbar.
Na dann drücken wir mal die Daumen dass in 2 Wochen der richtige aus den Wahlurnen steigt. Es ist sicher noch nicht zu spät.

 

 

Oktober - November 2007
China, ein erster Eindruck


Wenn man das erste mal mal aus dem Westen nach China kommt, mit all seinen Vorurteilen und mit dem was in einem grossen Teil der westlichen Presse gehört, gelesen und gesehen werden kann, so ist man bei seiner Ankunft in Peking sicher ein bischen enttäuscht. Kurz vor meiner Abreise aus Frankreich hat mich eine Freundin gefragt ob ich nicht Fotos von Kindern für sie machen kann (sie ist Malerin). Ohne Zweifel dachte sie an Strassenkinder und Armenviertel wie ich sie letztes Jahr in Indien gefunden habe. Das übervölkerte Asien hat nun mal seinen Ruf für offensichtliche Armut, mit allem was dazugehört.
Was mich in Peking erwartete war jedoch alles andere als "Rückschritt" und sichtbare Armut. Beton, Modernität und eine ausgezeichnete Infrastgruktur waren mein erster Eindruck. Nach einigen Spaziergängen selbst durch die alten Hutong-Viertel fühlte ich mich fast wie in jeglicher westlichen Grossstadt. Als Bonus ein wenig chinesische Kultur in Form von Architektur, Cuisine und den Einwohnern entsprechenden Szenen (alte Leute beim Kartenspielen, Tai-chi als Massenfrühsport in Parks, Opern-Karaoke, usw). Ansonsten, mehr Autoverkehr als Fahrräder, der dazugehörige Krach und Wolkenkratzer die wie Pilze aus dem Boden schiessen. Auf keinen Fall aber sogenannte Armenviertel.
Dass man sich in einem kommunistisch gesteuerten Land befindet ist schwer zu glauben. All die leuchtende und blinkende Reklame für westliche Markenprodukte die sich sich nur ein winzig kleiner Teil der Bevölkerung leisten kann (in einer Grössenordnung von vielleicht 2 oder 3 %). Dafür gibt es aber ganze Kaufhäuser wo man Fälschungen aller Produkte zu "angepassten" oder "handelbaren" Preisen erwerben kann. Je nach Artikel ist es durchaus möglich einen Preis von umgerechnet 100 euros auf 5 euros herunterzuhandeln. Strassenverkäufer aller Art gibt es zwar auch, die sind aber nicht so aufdringlich wie man es aus vielen Turistengebieten kennt.
98% der Bevölkerung versteht kein Englisch und 99,9% der Turisten kein chinesisch. Trotzdem wird man generell weder in Restaurants noch in Taxis betrogen. Trinkgeld ist hier überhaupt nicht üblich und niemand wirft einen besonders verächtlichen Blick hinterher wenn man keins gibt. Besonders ausgeprägt ist der Sinn von verbaler Höflichkeit nicht, an ihrer grosszügigen Gastfreundlichkeit können wir uns aber auf jeden Fall ein Scheibchen abschneiden.
Die Olympischen Spiele 2008 haben nicht nur einen Boom von futuristischen Grossbauprojekten ausgelöst, sondern auch die Behörden veranlasst dem Gemeinvolk einige Grundregeln des "Stadtlebens" nahezubringen, Beispiel: die Metro. Auf jedem Bahnsteig sind ebensoviele uniformierte Beamte eingestellt wie die Metro Türen hat, um den Ein- und Aussteigeverkehr zu regeln. In anderen Worten, der Menschenmasse den Vorrang zu geben die aussteigen will um das blinde Losrammeln der einsteigenden Masse zu verhindern. Auch an Fahrkartenschaltern beginnen die Menschen zu begreifen dass eine Schlange immer hinten anfängt... Eine grössere Herausforderung scheint mir jedoch zu sein den ziemlich lautstarken Spuckwettbewerb in der Öffentlichkeit einzudemmen, um die noch sehr naheliegende ländliche Abstammung der Bevölkerung vergessen zu lassen (bestimmt ebenso schwierig wie Hundekot von französischen Fusswegen zu verbannen...).
Das Wort "ländlich" ist der springende Punkt für Chinas Fort- oder Rückschritt, je nach Meinung. Wenn ich also nicht die gewünschten Fotos von "armen" Kindern machen konnte, so liegt das sicher daran dass ich bisher nur das "fortschrittliche" China kenne, das städtische, was wohl noch nicht einmal ein Drittel der fast anderthalb Milliarden chinesen betrifft. Aber eins nach dem anderen: ich möchte nicht zu jenen gehören die ein verächtliches Bild aus reinem westlichem Standpunkt von einem Land geben was sich in einem unwahrscheinlichen Umschwung befindet. Die immense Urbanisierung profitiert nach und nach immer mehr Menschen. Bis heute braucht zwar noch jeder "ländliche" Staatsangehörige eine spezielle Erlaubnis (eine Art Visum) um in einer Stadt arbeiten und wohnen zu dürfen, aber gerade das verhindert die "Armen-Ghettos". Das Recht auf privates Eigentum und Grundbesitz in China existiert ja noch nicht einmal zwei Jahre. Die Städter die heute 300 $ verdienen sind schon sehr reich gegenüber der ruralen Bevölkerung. Unter diesen Bedingungen muss man sich die Konzequenzen vorstellen wenn mit einem Schlag das westlich kapitalistische Konsumsystem über ein sechstel der Erdbevölkerung gestülpt würde so wie es in Ostdeutschland der Fall war. Ohne Zweifel würde dies eine Mafiagesellschaft nach russischem Vorbild schaffen und eine Katastrophe für die ganze Welt darstellen. Vergessen wir auch nicht dass China erst in den 90-er Jahren erwacht ist und dass Europa, um dort anzukommen wo es heute ist, einen langen und oft sehr schmerzhaften Weg (besonders für den Rest der Welt) gegangen ist.
Diese sogenannte Enttäuschung die man also bei der Ankunft in Peking erlebt, ist eher ein Zeichen von Hoffnung. Die Stufenweise Verbesserung elementarer Lebensbedingungen von mehreren hundert Millionen von Menschen. Dies führt vielleicht zur zeitweisen Nachahmung von westlichen Verbrauchs- und Luxusartikeln, muss aber nicht zwangsläufig zu einer simplen Nachahmung des westlichen Systems und Lebensstils werden. Viel chinesischer Reichtum würde ganz unter viel Beton vergraben werden...

Meine Reise hat nicht in Peking aufgehört, mein Eindruck ist daher nicht der erste geblieben, mehr dazu aber später.


Januar - Juli 2007
Das kann passieren...


...wenn ein unfähiger Mensch zu viel Macht bekommt.
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22. April 2007
Am Abend des 1. Wahlganges

Es kann sein dass ich mit dem was ich am 8. April gesagt habe wohl ein bischen zu idealistisch gewesen bin. Auf jeden Fall haben wir jetzt die Wahl zwischen einer Linken und einer Rechten die beide behaupten "alle" Franzosen zu vertreten. Auf der einen Seite will man Frankreich reformieren ohne etwas zu überstürzen, auf der anderen will man einen ruhigen Umsturz. Mit oder ohne Royal, was übrigens übersetzt königlich heisst, werden wir wohl weiterhin mit einer "Monarchie" rechnen müssen. Einerseits fürchte ich dass Rousseau's Gedanken noch gar nicht so altmodisch sind indem er vor langer Zeit einmal sagte, "dass jene die es schaffen in einer Monarchie ganz nach oben zu kommen meisstens kleine Schalken und kleine Intriganten sind, deren kleinen Talente, die sie an den Höfen auf ganz grosse Stellen bringen, nur dazu dienen der Öffentlichkeit ihren Unsinn zu zeigen wenn sie erst einmal dort angelangt sind". Andererseits, im letzten Jahr hat der Lebensgefährte einer potenziellen zukünftigen Präsidentin, die während des Wahlkampfes übrigens ziemlich improvisationsfreudig war, der Zeitung Le Monde anvertraut dass, "wenn sie oder ich zur Präsidentschaft gewählt werden würde unser Leben erfolgreich gewesen sein". Diese nutzlose Offensichtlichkeit sagtebenfalls viel über den Zustand unserer « Demokratie » aus …
Ganz ehrlich, die Wahl ist nicht einfach. Man wird sich jedoch zwischen diesen beiden entscheiden müssen und keinem anderen. Man darf jetzt auf keinen Fall aufhören den Inhalt ihrer Programme unter die Lupe zu nehmen. Die Falle einer Stichwahl ist oft die, dass man eher nach dem Auftreten der Person urteilt, anstatt über den Sinn des Projektes nachzudenken...




8. April 2007
Wählen, und dann?


Die Erfahrung des ersten Wahlganges in meinem Leben ist mir sicher irgendwo im Halse stecken geblieben. Ich war 18 Jahre alt und der Parteichef des linksextremen Systems ist mit 99,5 % der Stimmen wiedergewählt worden, obgleich der grösste Teil der Bevölkerung diese Regierung nicht billigte. So etwas nennt man Diktatur, im gegebenen Falle unter dem Decknamen "Deutsche Demokratische Republik".
Das Glück in Frankreich, in einer wahrhaften Demokratie zu leben wo jede einzelne Stimme zu einem Machtwechsel beitragen kann, ohne dass ideologischer oder staatsicherheitlicher Druck auf die Individuen ausgeübt wird, ist leider einfach als anerkanntes Recht hingenommen. Diese so kostbare und notwendige Freiheit scheint mir jedoch ganz in den Hingtergrund gerückt zu sein, zu Gunsten vieler kleiner Freiheiten die unter dem Decknamen anerkanntes Recht auftreten.
In den meisten Statistiken über die prioritären Sorgen der Franzosen steht das Wort Kaufkraft ganz oben auf der Liste. Das spiegelt so eine Art individuellen Liberalismus wieder um den unantastbaren Lebensstandard zu erhalten, egal welche Konzequenzen er für unseren Lebensraum haben könnte. « Ich will die Produkte des Kapitalismus in aller Freiheit verbrauchen und gleichzeitig gegen alle Risiken dieses Systems geschützt sein ». Wenn das wirklich die erste Sorge unserer Zeitgenossen ist stelle ich mir sehr einfach vor ihnen jeglichen Unsinn schlucken zu lassen solange eine angekündigte Wende keine negativen Konzequenzen für den eigenen Geldbeutel hat.
Im Januar und Februar diesen Jahres konnte man, zum ersten Mal in Frankreich's Geschichte, eine regelrechte ökologische Euphorie feststellen, und zwar um den ökologischen Pakt von Nicolas Hulot, ein französischer Reporter, Schriftsteller und engagierter Umweltschützer. Nach ein Paar Wochen in den Schlagzeilen ist diese Bewegung heute fast aus der Debatte verschwunden, zumindest ist sie weit hinter die anderen zweitrangigen Prioritäten der Franzosen gerutscht, die Arbeitsolosigkeit, die Zukunft der Renten, die Krankenversicherung, die Einwanderung... Es scheint als ob die Menschen einen Augenblick lang irgendwie vom schlechten Gewissen über ihre Verantwortung am Klimawandel geplagt waren, bis zu dem Augenblick wo eine viel konkretere Angst in der Debatte für Aufsehen sorgte, zusammen mit einem sofortigen Heilmittel. Einwanderung und Patriotismus. Ursprünglich handelt es sich hierbei um die Hauptargumente der Rechtsextremen, verrufen von allen Parteien die sich zivilisiert wollten. Heute sind sie jedoch ein wahrhaftes Erfolgsrezept aller Kandidaten, sowohl rechts als auch links. Man braucht sich nur das Phänomen der Angst vor dem polnischen Klemptner ins Gedächtnis rufen während der Debatte um die Europäische Verfassung, ein sehr gelegener Sündenbock für alle kommenden wirtschaftlichen Debakel, ohne jemals wirklich zu erscheinen... Es handelt sich also allerhöchstens um bequeme Argumente um die Abkapselung Frankreichs zu rechtfertigen. Eine Tendenz die schon seit einigen Jahren zu spüren ist und die sich beschleunigen kann wenn bis zum 6. Mai der Wahlkampf so oberflächlich bleibt wie er im Moment ist, das heisst dass die Aufmerksamkeit der Wähler von den wahrhaften Herausforderungen unserer Gesellschaft abgelenkt wird.
Die Versprechen von links machen jenen von rechts Konkurrenz und sind damit von vorn herein nur auf kurzfristige Vorteile eingestellt, auf Kosten des so dringenden Schutzes unserer Umwelt mit seinen langfristigen Auswirkungen. « Solange Tsunamis, Tornados und andere Naturkatastrophen nicht meinen eigenen Garten in Gefahr bringen erlaube ich mir meine Scheuklappen zu behalten ! »
Während ich so den Ablauf dieses Wahlkampfes aus der Nähe verfolge stelle ich mir die folgende Frage  : obwohl doch alle über die dringende Notwendigkeit informiert sind für die Umwelt zu handeln, warum bekommt dann laut Umfragen die Kandidatin der Grünen, die übrigens ausgezeichnete Kenntnisse über die Umweltdossiers besitzt, kaum 1% der Stimmen ? Wenn ich mit meiner ökologischen Überzeugung in Frankreich wählen könnte, müsste ich ihr dann nicht auch meine Stimme geben? Was mich jedoch zögern lässt ist eine traurige Feststellung: die Franzosen sind noch weit hinterher. Die meissten anderen europäischen Länder haben schon seit einigen Jahren begriffen (vorsichtshalber schliesse ich mal das Vereinigte Königreich aus) dass eine bedeutende politische und Mentalitätsänderung nur möglich ist wenn der uralte und engstirnige Kampf zwischen Rechts und Links überwunden wird. Erst wenn man gelernt hat in einer Gesellschaft zu leben die anstatt spaltenden eher vereinenden Werten den Vorrang gibt kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Vielleicht habt Ihr erraten dass ich meine Stimme François Bayrou geben würde. Meiner Ansicht nach ist er 2007 der einzige Kandidat der die Wende vorschlägt mit der sich alle so rühmen. Auch wenn sein Programm in Details dem von mindestens zwei seiner Konkurrenten ähnelt, so bietet er doch einen grundlegenden Unterschied an: die Gelegenheit für die Franzosen konsensuell zu werden. « Links oder Rechts sein heisst eine der unzähligen Art und Weisen zu wählen die sich dem Menschen bieten ein Dummkopf zu sein » hat José Ortega y Grasset einmal gesagt. Damit hat er nicht unrecht. Ein Rückblick auf die letzten Jahrhunderte europäischer Geschichte würde eine stichhaltige Argumentationshilfe für die Verteidigung des Konsens darstellen. Lernen wir doch endlich unsere kleinen Freiheiten nicht mit der Freiheit im noblen Sinne zu verwechseln. « Es gibt weder Glück ohne Freiheit noch Freiheit ohne Tapferkeit » (Thucydide).
Worin besteht also diese Wende? Sich selbst in Frage stellen und es wagen Zugeständnisse zu machen. Das wird aber nicht einfach so kommen weil man seine Stimme dem einen oder anderen Kandidaten gibt. Dazu gehört Mut, und es braucht alle zusammen!

 

März 2007
Ein "fast" gewöhnlicher Tag!

Während ich mit dem Fahrrad von mir zu Hause bis zum Bahnhof herunterrolle, um mit dem Zug zur Arbeit zu fahren, kommt mir die Geschichte von dem kleinen Kolibri in den Sinn der, bei einem grossen Waldbrand, ständig zwischen einer Pfütze in welcher er mit seinem winzigen Schnabel einen Wassertropfen schöpft und dem Feuer über dem er diesen fallen lässt hin und her fliegt. Unermüdlich transportiert er seine Wassertröpfchen zum Feuer mit dem Risiko sich die Flügel zu verbrennen. Zahlreich sind die Wesen die in alle Richtungen rennen um sich und ihr Habe in Sicherheit zu bringen. Sie sind alle viel grösser als er und manche, die ihn sehen, rufen ihm zu "ja bist du denn blöd, was du da machst bringt doch überhaupt nichts...!" worauf er antwortet: "vielleicht bringt es ja nichts, es ist aber mein persönlicher Beitrag!"…
Das laute Hupen eines enormen Jeeps reisst mich aus meinen Gedanken und macht mir begreiflich dass ich ihm die 200 Meter freie Bahn versperre die ihn noch vom nächsten Stau trennen, wo ich ein paar Sekunden später durch eine Wolke von Abgasen an ihm vorbeirolle und dafür einen sehr düsteren Blick ernte. Am Bahnhof angekommen befinde ich mich auf dem Quai zwischen Menschen deren Blick zwischen den leeren Gleisen und der Anzeigetafel pendelt auf welcher die normalen Zugfahrzeiten angekündigt sind. Nachdem ich einen Bahnangestellten unverschämterweise angegriffen habe mit meiner Frage "Entschuldigen Sie bitte, wissen Sie zufällig ob der Zug noch kommt?" … verstehe ich dass es sich wohl mal wieder um einen Streik handelt und trete in die Pedalen um den steilen Hang bis nach Hause zu überwinden. Von Schweiss durchnässt vor dem Eingang angekommen sehe ich einen unbekannten der vergeblich versucht mit seinem Auto die Wohnanlage zu verlassen. Mit meiner Fernbediehnung öffne ich ihm das Tor. « Was ist den der Code hier  ?! » fragt er auf eine sehr unhöfliche Art, worauf ich erwidere "Guten Tag, und entschuldigen Sie bitte Ihnen das Tor geöffnet zu haben." «Kotzt mich an die Scheisse » wirft er mir im vorbeifahren zu und lässt mich in seiner dicken bläulichen Abgaswolke stehen.
Während ich dusche höre ich Radio wo man von den Präsidentschaftswahlen spricht. "Änderung, Abkehr vom Alten, Revolution..." Dabei denke ich an das "Nein" zur Europäischen Verfassung, an den "ökologischen Pakt" den alle Präsidentschaftskandidaten unterzeichnent haben. Zwei sehr junge Ereignisse von denen schon heute niemand mehr spricht. Dann denke ich an Deutschland das gerade anfängt nach einer fasst zehnjährigen Wirtschaftskrise wieder etwas Licht am Ende des Tunnels zu sehen, ich denke an meine Familie und Freunde deren materieller Lebensstandard sicher gefallen ist, bei denen ich aber überhaupt keine Agressivität spüre. Nachdem ich das Radio ausschalte kehren meine Gedanken in die Gegewart zurück. Es ist das dritte mal binnen zwei Wochen dass ich wegen nichtfunktionierenden Zügen zu spät zur Arbeit komme. Mit dem Auto bleibe ich in den Staus stecken, zwischen zahlreichen Geländewagen in denen meisstens nur eine Person sitzt und die sich durch die engsten Strassen kämpfen. Genervt hupen sie wenn ich nicht schnell genug anfahre oder schneiden mir einfach die Vorfahrt wenn sie meine "Ente" sehen. Ich frage mich ob wohl diese Menschen die für die so herbeiersehnte "Änderung" wählen werden? Ich sehe hier Menschen die andere daran hindern zu arbeiten, im Namen von Gleichheit und Erhöhung ihrer Kaufkraft, Menschen die in "vierrädrigen Panzern" Luft verschmutzen und Strassen verstopfen, Menschen die sich über wer weiss etwas aufregen, Menschen die zur grossen Mehrheit gegen ein Europa gestimmt haben was ihrem Geschmack zu marktwirtschaftlich frei ist, ohne jedoch ihren individuellen Kapitalismus in Frage zu stellen und Anspruch erheben sich als "arm" zu betrachten...
Ich bleibe ruhig und komme letztendlich auf meiner Arbeitstelle an. Dort bin ich zufälliger Zeuge einer Unterhaltung zwischen zwei Angestellten, die eine sagt "dass es gar nicht in Frage kommt den 8. Mai 2008 und 2009 zu Arbeiten nur aus dem Grunde dass es im Mai 4 Feiertage gibt"... ganz nebenbei bemerkt, sie arbeitet im allgemeinen nur von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr und nie am Wochenende, hat 8 Wochen gut bezahlten Uhrlaub und man hört sie oft sagen dass sie und ihre Kollegen "hier mit ziemlicher Verachtung behandelt werden und dass sie mehr und mehr Verpflichtungen nachkommen müssen ohne jeglichen Vorteil als Gegenleistung".
Es ist das zweite Mal diese Woche dass mein Arbeitstag erst gegen 20:30 Uhr zu Ende geht, ausserdem arbeite ich am nächsten Sonntag, den darauffolgenden auch... Auf dem Nach-Hause-Weg frage ich mich ob ich denn ein bischen blöd bin und ob das was ich mache denn irgendetwas bringt... und mit der Hoffnung dass morgen früh die Züge wieder normal fahren kommt mir der kleine Kolibri plötzlich wieder in den Sinn...


 

 

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Hallo! Ratet mal wer ich bin?